Musiktag in Uttigen
(Korr.) Die Uttiger müssen beim Herrgott einen besondern Stein im Brett haben. Oder dann hat folgender ulkiger Festspruch seine Wirkung getan:
Ihr Wattenwiler us em Wätterloch,
Heit ihr bstellt schö Wätter doch!
Item, wenn auch am Vormittag des 2. September der Himmer ein sehr drohendes Gesicht zeigte, so hellte sich das Wetter gegen Mittag vielversprechend auf. Bei Festbeginn durfte man es sogar wagen, ohne Regenschirm auszugehen, und im spätern Nachmittag flutete heller, warmer Sonnenschein über den ländlich-idylisch gelegenen Festplatz beim Uttiggut. Schon um 12 Uhr war bei der Säge in Uttigen eine grosse, erwartungsvolle Menschenmenge versammelt. Pünktlich setzte sich der farbenprächtige Festzug mit den 450 Musikanten und den mit lebhaftem Beifall begrüssten, originellen Gruppen in Bewegung. Die Uttiger haben wirklich alles angewendet und nihts vergessen. Wir müssen ihnen an dieser Stelle unser Kompliment machen. Von den schönen Gruppen erwähnen wir die reizende Blumenkönigin mit Gefolge, eine stolze Reitergruppe, Uttigen einst mit der bekannten Burg und der früher lebhaft betriebenen Fischerei, und Uttigen jetzt! Nichts anderes als eine flotte, aufblühende Musikgesellschaft, zugleich das lebendige Wahrzeichen einer arbeitsamen, vorwärtsstrebenden Bevölkerung!
Den Höhepunkt des 11. Musiktages des Amtsverbandes Seftigen bildete aber das nun folgende, überaus reichhaltige Konzert auf dem Festplatze. Es beteiligten sich daran die Musikgesellschaften von Uttigen, Seftigen, Mühlethurnen, Gurzelen, Niedermuhlern-Zimmerwald, Belp, Gerzensee, Riggisberg und Wattenwil. Ferner wirkten als Gastvereine mit die Stadtmusik Thun, der Musikverein Uetendorf und die Schützenmusik von Steffisburg. Die Musikgesellschaft Uttigen eröffnete das bis nach 4 Uhr dauernde Konzert mit einem brillanten Eröffnungsmarsch. Hierauf begrüsste der Präsident des Organisationskomitees, Herr Gemeindeschreiber Schneiter, die Ehrengäste, Verbandsvertreter, Musikanten und alle Festbesucher mit einer kurzen, sympathischen Ansprache. Vom kleinen Landverein bis hinauf zu den grossen Gesellschaften hörten wir fast durchwegs einwandfreie, sorgfältig ausgearbeitete Vorträge. Es war eine Lust, dem gepflegten Musizieren zuzuhören. Auch die Auswahl der Vortragsstücke, lauter klassische und erstklassige Kompositionen, verriet guten Geschmack. Wir erwähnen die Festouvertüre Tempelweihe, taktsicher gespielt von der Schützenmusik Steffisburg, die Ouvertüre zu "Dichter und Bauer", mit warmer Einfühlung vorgetragen durch die Musikgesellschaft Gurzelen und die Ouvertüre zur Oper "Il Guarany", eine kunstvolle Leistung der Stadmusik Thun. Von unerhörter Wucht waren die Gesamtchorstücke "Schwurgesang" von Flittner und der Marsch "Gruss aus Thierstein", von G. Jecker. Der Festdirigent, Herr Fr. Ramseier in Uttigen, verstand es ausgezeichnet, die grosse Masse der Musikanten mit seinem beschwingten Stabe zu leiten.
Im Namen des Bern. Kant.-Musikverbandes ergritt dessen Präsident, Herr E. Wiedmer, das Wort. Er begrüsste besonders den Benjamin des Amtsverbandes, die junge Musikgesellschaft Zimmerwald. Ferner stellte er mit Freude die Anwesenheit der Veteranen Hodler Karl, Uetendorf, Däpp Fritz, Oppligen und alt Grossrat Binggeli aus Schwarzenburg, fest. Der musikfreundlichen Bevölkerung von Uttigen und seiner rührigen Musikgesellschaft wand er ein besonderes Kränzchen der Anerkennung, indem er meinte, dass wohl nicht "hurtig" an einem Festort so viel angewendet wurde wie in Uttigen. Die Uttiger haben das Lob auch wirklich verdient. Man war bei ihnen gut aufgehoben, und das frohe Musiktreffen vom Sonntag den 2. September wird bei den hunderten von Festbesuchern in bester Erinnerung bleiben.
